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Kleine Schritte von Mensch zu Mensch


Schwäbische Zeitung vom 07.04.2017 | Einmal im Monat ist das „Café der Kulturen“ im Paul Fagius Haus.

Die Offene Behindertenarbeit (OBA) lädt seit Jahren jeden Freitag von 11.30 bis 17 Uhr im Paul-Fagius-Haus am Marktplatz zum Café-Treff ein. Wer Hunger hat, kann eine Suppe essen oder bekommt auch gerne einen Kaffee und ein Stück Kuchen – zum Selbstkostenpreis. Ein Raum der Begegnung soll es sein und auch bleiben für Menschen aus der Stadt und auch aus dem Stephanuswerk.

Seit zahlreiche Flüchtlinge aus fremden Kulturen unter uns leben und im Stephanuswerk und in den Siloah-Häusern eine vorübergehende Bleibe gefunden haben, sind Bemühungen hinzugekommen, sich gegenseitig kennenzulernen, einen Einblick zu geben in die deutsche und die Kultur der Schutzsuchenden. Das Bemühen um Öffnung soll Integration in kleinen Schritten von Mensch zu Mensch überhaupt möglich machen.

Deshalb wird seit Ende vergangenen Jahres einmal im Monat der wöchentliche Café-Treff erweitert zu einem „Café der Kulturen“. „Es hat sich eine richtige Erfolgsgeschichte entwickelt“, sagt Gabi Kimmerle vom Netzwerk Asyl. „Die Kooperationspartner, Netzwerk Asyl und OBA, lassen sich in der Regel am letzten Freitag des Monats etwas Besonderes einfallen und laden auch ausdrücklich die Flüchtlinge ein – mit Kind und Kegel“.

Vergangene Woche wurde erstmals ein „Bazar“ veranstaltet, weil sich laut den Verantwortlichen gezeigt habe, dass viele der Flüchtlinge ihre Zeit bis zur Anerkennung (oder Abschiebung) nicht nur absitzen wollen. Viele könnten etwas und wollen auch zeigen, was sie können. Zum Beispiel fertigen Männer aus Afghanistan Korbwaren und ein Flüchtling aus Syrien Lederwaren. Dieses Kunsthandwerk hatte schnell Bewunderung und auch Käufer gefunden. Anders erging es einer fleißigen Strickerin aus Syrien, deren Farbzusammenstellungen den Isnyer Besuchern augenscheinlich noch etwas fremd waren. „Jede Kultur hat eben ihren eigenen Geschmack“, meinte Luise Schneider vom Netzwerk Asyl, „doch wir wollen ja voneinander lernen.“

Otto Ziegler von der OBA war jedoch höchst zufrieden mit dem Besuch. „Es war ein reges Kommen und Gehen, das Café der Kulturen ist ein Schritt in die richtige Richtung“, sagte er. Die Korbmacher und Sattler werden fleißig weiterarbeiten und ihre Ware in der Stadt bei anderen offiziellen Gelegenheiten – in Absprache mit Netzwerk Asyl – auch wieder anbieten.

07.04.2017