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Der Integrationsprozess dauert


Schwäbische Zeitung vom 24.04.2018 | Die Stadtverwaltung Isny hat jetzt zu einem Informationsabend über den gegenwärtigen Stand der Flüchtlingsarbeit und den Integrationsbemühungen in die Mensa des Schulzentrums eingeladen.

Bürgermeister Rainer Magenreuter konnte rund 80 Interessierte und auch persönlich beteiligte Personen begrüßen, unter anderem aus Kindergärten, Schulen, Netzwerk Asyl, Sprachkursträger und Ämtern des Landkreises.

Claudia Dürrenberger und Michaela Merta, die beiden Sozialarbeiterinnen der Diakonie, sind für die Sozialbetreuung, Beratung und Begleitung der in Isny lebenden Flüchtlinge zuständig. Ihre Einschätzung zur aktuellen Situation: „Die Erfahrungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass die Integration von Menschen mit Fluchthintergrund ein Prozess ist, der Herausforderungen mit sich bringt – sowohl für die Geflüchteten als auch für die bestehenden Strukturen der aufnehmenden Gesellschaft vor Ort.“

Trotz Fortschritten und positiven Entwicklungen werde deutlich, dass dieser Prozess für viele Flüchtlinge weit über den Zeitraum von zwei oder drei Jahren hinausgehe. Kulturelle Unterschiede, sprachliche Barrieren, teils sehr geringe Bildung, komplizierte behördliche Abläufe würden die Eigenständigkeit der Flüchtlinge erschweren und seien nicht ohne Hilfestellung zu bewältigen. Flucht und Kriegserfahrung und die daraus resultierenden psychischen und psychosozialen Folgen seien zusätzliche Herausforderungen, um in der neuen Lebenswelt zurechtzukommen. Durch psychosoziale Begleitung und Vermittlung in angemessene Hilfen würde man versuchen, die Betroffenen in der Bewältigung ihrer Erlebnisse zu unterstützen, damit ihnen das alltägliche Leben zunehmend eigenständig gelingen kann.

Bildung, Spracherwerb, Berufsqualifikation, Arbeitsmarktintegration und gesellschaftliche Teilhabe seien wichtige Meilensteine im Integrationsprozess. Für viele Flüchtlinge gehe dieser Prozess nach Erhalt des positiven Asylbescheides und der damit zeitweiligen Sicherheit erst richtig los. Die Wohnungssuche stelle ein eigenes Problem dar. Möglichst bald auszuziehen aus der belastenden, engen, vorläufigen Unterbringung, sei eine wichtige Voraussetzung für gelingende Integration. „Häufig finden wir uns in unserer Arbeit in der Vermittlerrolle zwischen Ankommenden und Aufnehmenden und versuchen, gegenseitig um Verständnis zu werben, Kompetenzen zu vermitteln und Lösungen zu finden.“ Zu diesem Systemradius würden Kindergärten, Schulen, Ärzte, Polizei, Vereine, Sprachkursträger, Arbeitgeber, Vermieter, Stadtverwaltung, Arbeitsamt und Jobcenter gehören. Die beiden Sozialarbeiterinnen der Diakonie – angestellt von Stadt und Landkreis – bedanken sich insbesondere für die ehrenamtlichen Helfer des Netzwerks Asyl.

Gabi Kimmerle: „Menschen sind bei uns willkommen“

Gabi Kimmerle vom Netzwerk Asyl sagt: „Ehrlicherweise müssen wir zugeben, dass unsere Vorstellungen von schnellen, großen Schritten nicht realisierbar waren.“ Vieles habe sich zwar in den zwei, drei Jahren strukturell und politisch verändert, aber: „Die Menschen sind bei uns in Isny angekommen. Wir beteiligen uns an den Integrationsbemühungen, schaffen Räume zur menschlichen Begegnung, zum Beispiel jeden Donnerstagnachmittag im Ochsenkeller, sind präsent an den Schnittstellen zur Politik und Sozialbetreuung.“

Vom Vertreter des Amtes für Migration und Integration im Landratsamt Ravensburg ist zu erfahren, dass viele Institutionen am Integrationsmanagement beteiligt sind: Städte und Gemeinde, Ämter, Johanniter, DRK, Diakonie und Caritas. Im Landkreis seien gegenwärtig in der vorläufigen Unterbringung in 47 Unterkünften 720 Personen untergebracht. 2016 seien zwischen Januar und März 1100 Flüchtlinge im Landkreis aufgenommen worden. 2018 seien es im gleichen Zeitraum noch 79 Personen gewesen. Was Isny betrifft: Die vorläufige Unterkunft (Stephanuswerk) sei seit Anfang 2018 geschlossen. In der „Anschlussunterbringung“ in den Siloah-Häusern würden noch 270 geflüchtet Menschen leben, die allermeisten aus Syrien, wenige aus Afghanistan, Eritrea und dem Irak.

Die Vertreter der Arbeitsagentur und des Job-Center erklärten ihre Zuständigkeiten. Zur Arbeitsagentur gehört die Klärung der Asylbewerberleistungen oder der Grundsicherung für Arbeitssuchende – jeweils abhängig vom Flüchtlingsstatus. Die Möglichkeit der Aufnahme für eine Arbeit oder Ausbildung kommt dem Job-Center zu.

Anita Gösele von der Stadtverwaltung nannte abschließend noch ein paar Zahlen Isny betreffend: 306 Flüchtlinge in der Anschlussunterbringung, davon 73 in den Siloah-Häusern, 204 in privaten Wohnobjekten, 19 Jugendliche im Stephanuswerk. 32 Kinder besuchen Kindergärten, 33 Kinder die Grundschule. Die Sozialarbeiterinnen der Diakonie, haben neuerdings ihre „Beratungsstelle für geflüchtet Menschen“ im ehemaligen Krankenhaus.

25.04.2018